Myopie Kurzsichtigkeit aus der Schriftenreihe zur Optometrie © Stefan Lahme In der Verhaltensoptometrie wird das visuelle System generell als biologisch ungeeignet für die in unserer Kultur zunehmende Naharbeit gehalten . Ständige Anforderungen in der Nähe können zur Unordnung im visuellen System führen. Demzufolge wird die Entwicklung der Myopie als Resultat exzessiven Gebrauchs der Augen in der Nähe gesehen. Diese Theorie wird Cohn (1867) zugeschrieben. Die industrielle Revolution und neue technische Fortschritte haben uns zu einer Gesellschaft geführt in der Bücher, Magazine, Zeitungen und andere Formen geschriebener Kommunikation ebenso wie Computer und Videodisplays, eine zunehmende und wichtige Rolle im Leben spielen. Den Zusammenhang von Myopie und Naharbeit haben schon Kepler (1611), Ware(1813) und Donders (1884) beschrieben. Es ist bekannt das die Myopie während der Schulzeit auftritt und zunimmt (Donders 1864; Cohn 1867; Agnew 1877; Tscherning 1883; Straub 1909; Kempf et al.1928; Tassman 1877; Brown 1938; Slataper 1950; Hirsch 1952,1961,1962,1964; Baldwin 1957,1967; Morgan 1967; Goldschmitt 1968; Maliuta 1972). Hallett (1931), Luckeish und Moss (1939) und Kephart und Unger (1953) berichten das während der Ferienzeit keine Zunahme der Myopie beobachtet wurde. Goss und Rainey (1998) fanden in einer an der School of Optometry der Indiana University (USA) durchgeführten Studie bei Schulkindern eine Zunahme der Myopie von 0,39dpt in der Ferienzeit und von 0,79dpt in der Schulzeit. Thiel (1953) stellte eine Myopie bei 4,38% der Volksschüler, bei 13,03% der Schüler höherer Lehranstalten und bei 41,31% der Studenten fest. Soun Sen (1958) fand in einer Studie über die Myopie in China 1% myoper Kinder im Vorschulalter, 9-10% in den ersten fünf Schulklassen, 15% in der 6. und 7. Klasse und bis zu 33% in der 12.Klasse. Während in der übrigen Welt die Beziehung Myopie : Hyperopie etwa 1:2 oder 1:3 ist, beträgt sie in China 3:1 und in Japan sogar 6:1. Soun Sen führt dies auf die schwierigen chinesischen und japanischen Schriftzeichen zurück. Obwohl die Zunahme der Myopie während der Schulzeit mit Wachstumsfaktoren in Verbindung gebracht wird , beobachteten verschiedene Studien das Myope mehr Lesen und mehr Naharbeit verrichten als Nichtmyope (Ochapovsky 1935; Lundgren 1954; Young et al.1954; Haines 1955; Morgan 1960; Peckham et al. 1977; Angle und Wissman 1978; Richter und Bear 1980). Young et al. (1969) untersuchten drei Generationen Eskimo Familien. Sie fanden nur eine geringe Myopie unter den Großeltern und Eltern , bei der jüngeren Generation stellten sie bei 65% eine Myopie fest. Sie schrieben dies der Einführung der Schulpflicht zu .Kritiker der Nahtheorie führen an , daß die Tendenz Myoper mehr zu Lesen aufgrund der besseren Eignung für Naharbeit bedingt ist (Borish 1970). Sie führen an, daß Myope nicht durch mehr Lesen Kurzsichtig werden, vielmehr würden Myope aufgrund der Kurzsichtigkeit mehr Lesen . Peckham et al. (1977) und Curtin (1985) sagen aus, daß die Tendenz Myoper mehr zu lesen, durch elterlichen Einfluß bedingt ist. Das Auftreten von Kurzsichtigkeit in der Familie fördere den Bezug zu stärker Naharbeit und wird durch Erziehung verstärkt. Myope erreichen meist höhere akademische Grade als Nichtmyope (Ochapovsky 1935; Schwartz 1940; Dearborn und Leverett 1945; Young 1963; Baldwin 1967, 1981; Goldschmitt 1968; Dunphy et al.1968; Grosvenor 1971; Karlsson 1973; Peckham et al. 1977). Myope erreichen bei Intelligenztests höhere Werte als Nichtmyope (Nadell und Hirsch 1958, Hirsch 1959; Young 1963; Grosvenor 1970; Teasdale et al. 1988). Myope demonstrieren höhere Wahrnehmungsfähigkeiten als Nichtmyope und sind analytischer in der Raumwahrnehmung (Rosner und Gruber 1985). Ebenso erreichen sie eine höhere Schulbildung (Teasdale et al.1988). Jedoch bringen einige Autoren dies mehr mit der besseren Eignung Myoper für Naharbeit als mit tatsächlich höherer Intellegenz in Verbindung (Nadell und Hirsch 1958; Hirsch 1959; Baldwin 1967,1981; Grosvenor 1971). Weitere Hinweise auf den Einfluß des Sehverhaltens ergaben Studien über Veränderungen des Sehens bei funktionell einäugigen Personen. Diese Studien zeigten, daß das jeweils zur Fixation benützte Auge zur Myopie tendiert, während das nicht genutzte Auge kaum Veränderungen aufwies (Falkenberg und Straub 1893; Widmark1902; Lepard 1975; Hentsch und Frank 1977; Lefferstra1977). Frauen die bei industrieller Arbeit einäugig Mikroskopieren entwickeln ebenso eine einseitige Myopie (Tatevosyan 1968) .Von einer räumlich eingeschränkten Umgebung wird eine Zunahme der Myopie in Tierexperimenten berichtet. Young (1961) berichtet das Affen, die in einen Käfig mit maximaler Sehentfernung von 50 Zentimetern eingesperrt waren, eine höhere Myopie entwickeln als Affen die in Käfigen ohne Begrenzung der maximalen Sehentfernung gefangen sind. Tiere deren Naheinstellung , bei begrenzter maximaler Sehentfernung, medikamentös verhindert wurde, entwickeln keine Myopie (Young 1965). Ebenso entwickeln Katzen unter begrenzter maximaler Sehentfernung eine deutlich höhere Myopie als Straßenkatzen (Rose et al.1974, Belkin et al. 1977). Die Erwachsenen Myopie. Früher wurde angenommen, daß die Myopieprogression wachstumsbedingt sei. Neuere Forschung und klinische Erfahrung zeigen jedoch, daß die Zunahme der Myopie auch nach dem 20 Lebensjahr vor allem bei Studenten und Personen mit großer Nahbelastung fortschreitet. Zahlreiche Studien belegen eine größere Tendenz zur Myopie bei Personen die starke Naharbeit verrichten, wie zum Beispiel Schreibtischberufe. Dagegen zeigen Berufe wie Landwirte, Kraftfahrer und Seeleute eine deutlich geringere Tendenz zur Myopie (Tscherning 1883, Duke-Elder 1930; Goldschmidt 1968; Pärssinen 1987; Adams und McBrien 1992). An der US Navy Akademie wurden 18% der mit Sehschärfe 100% beginnenden Studenten, im Alter von 17 bis 21 Jahren im Verlauf des 4 jährigen Studiums myop (Hynes 1956). O`Neal und Connon (1987) berichten von einer signifikanten Zunahme der Myopie während des Studiums bei 17 bis 21 jährigen Studenten der US Air Force Akademie. Es wurde eine Zunahme der Myopie bei 74% bei schon vor dem Studium myopen , einem Auftreten der Myopie bei 41,3% der Normalsichtigen und einer Verschiebung in Richtung Myopie bei 47,/% der Hyperopen (Weitsichtigen) beobachtet.Ebenso wird von Jurastudenten eine Zunahme der Myopie berichtet (Dunphy et al. 1968;Zadnik und Mutti 1987). Eine Zunahme der Myopie wird von U-Boot Besatzungen (Schwartz und Sandberg 1954;Kinney et al. 1979, 1980) und vom Personal der Minuteman Raketen Zentrale (Greene 1970) berichtet. Mechanismen der Myopie Entwicklung Die Beobachtung, daß die Myopie oft mit Naharbeit zusammenhängt hat zur Theorie geführt das die Entwicklung der Myopie mit übermäßiger Akkommodation (Ware 1813;Cohn 1967; Sato 1957;Young 1971) und Konvergenz ( Von Greafe 1957;Stilling1885; Förster 1886; Jackson 1931; Lüdde 1932; Greene 1981) zusammenhängt. Akkommodation und Myopie Die Offensichtlichkeit, daß die Myopie durch Akkommodation beeinflußt wird, wurde in Studien über den Einfluß anhaltender Naharbeit auf die tonische Akkommodation (TA) nachgewiesen. TA ist die Naheinstellung der Augen welche auch nach dem Ausschalten sämtlicher visuellen Stimuli , zum Beispiel in einem dunklem oder leeren Raum, auftritt. Ebenholz (1983) fand, daß anhaltende Naharbeit ein Ansteigen der TA verursacht. Dieser Effekt ist relativ lang anhaltend. Die Akkommodation benötigt einige Stunden um zu entspannen. Ebenholz glaubt das dieser Nacheffekt der Vorläufer der Myopieentwicklung ist. Ehrlich (1987) berichtet ein geringes Maß (im Durchschnitt 0,29dpt) an Zunahme der Myopie nach langer Naharbeit. Der Anstieg der TA bei anhaltender Naharbeit zeigt sich ebenso nach Bildschirmarbeit (Wolf 1985). Akkommodation und Augenlänge Die Untersuchungen von Stenstrom (1948) und Sorsby et al. (1961) ergaben, daß die Augenlänge die bedeutendste Komponente in der Änderung der Fehlsichtigkeit ist. Young (1971,1975,1977,1981) sagt, daß die Myopie sich in zwei Stadien entwickelt. Im ersten Stadium führt exzessive Akkommodation bei anhaltender Naharbeit dazu, daß sich die Akkommodation nicht entspannt. Dieser Status funktioneller Myopie sei einfach wieder zu Entspannen. Im Laufe der Zeit jedoch führt sie zu einer Dehnung der Augenlänge, eine strukturelle Myopie welche schwer rückführbar sei (Young 1981). Adel (1966) und Enoch (1975) berichten Veränderungen der Netzhaut während der Akkommodation. Young (1975.1981) berichtet bei Primaten einen Anstieg des Druckes im Glaskörper bei Muskelanspannung .Forschung bei Hühnern zeigt, daß sich die Augenlänge und Fehlsichtigkeit bei stimulierten Gebrauch der Augen änderten. Hühner denen Linsen zur Korrektion der Myopie vorgegeben wurden, zeigten eine Zunahme der Myopie und der Augenlänge im Gegensatz zu Hühnern denen Linsen zur Korrektion der Hyperopie vorgegeben wurden (Schaeffel et al. 1988). Formverlust, Augenlänge und Akkommodation Die operative Entfernung der Augenlider bei Affen vor Beendigung des Augenwachstums führt zur Entwicklung einer hohen Myopie (Hubel et al. 1975; Wiesel und Raviola 1977). Raviola und Wiesel (1978) fanden, daß keine Myopie eintritt, wenn Affen ohne Lider in dunklen Räumen aufwachsenExperimentelle Lidabnahme erzeugte ebenso eine Myopie bei anderen Tieren wie Katzen (Wilson und Shermann 1977) und Hühnern (Wallman et al. 1978; Yinon et al. 1980; Shapiro 1981; Hodos und Künzel 1984) Ernährung und Myopie Die Myopie wird ebenso mit der Ernährung, endokrinen Faktoren und systemischen Erkrankungen in Verbindung gebracht (Baldwin 1965,1967,1981; Borish 1970; Curtin 1985). Generell wird Unterernährung mit einer Zunahme der Myopie in Verbindung gebracht. Ein Anstieg der Myopie wird von unterernährten Kriegsgefangenen berichtet (Livingston 1946;Reed 1947; Smith und Woodruff 1951) und bei unterernährten Kindern (Halasa und McLaren 1964). Die meisten Autoren die Myopie mit Ernährungsdefiziten in Zusammenhang sehen ,geben an, das die Entwicklung der Myopie mit Eingriffen in den Stoffwechsel der Sklera , hervorgerufen durch mangelhafte Aufnnahme von Vitaminen, Mineralien und Proteinen , in Zusammenhang stehen. Dies führt zu einer Schwächung des Widerstandes der Sklera gegenüber dem Augeninnendruck und somit zu einer Zunahme der Augenlänge. Feldman (1950) und Wood (1927) fanden, daß Myope weniger Blutkalcium aufweisen als Nichtmyope. Gardiner (1956,1958,1960) fand das Kinder mit zunehmender Myopie eine geringere Proteineinnahme als normale Kinder haben und das die zusätzliche Einnahme von Proteinen zu einer Reduktion der Myopie Zunahme führte. Jedoch fand Lane (1981), daß Personen mit zunehmender Myopie exzessiv denaturiertes Protein einnahmen , ebenso wie Zucker und Kohlehydrate. Lane fand ebenfalls eine abnormal geringe Konzentration von Chrom und eine abnormal hohe Konzentration von Calcium im Haar von Myopen. Lane fand das Chrom die Akkommodations-muskeln stärkt. Der Abbau von Chrom erzeugt inadäquate Akkommodation .Diese Effekte werden durch verminderte Aufnahme von Vitamin C verstärkt , Vitamin C begünstigt die Aufnahme von Chrom.Vitamin C und Calcium spielen eine bedeutende Rolle in der Bildung von Kollagen und damit in der Erhaltung der Sclera. Psychologische Faktoren Der Zusammenhang zwischen psychologischen Faktoren und der Myopie ist seit langem in der Diskussion. Zahlreiche Studien (siehe folgend) berichten einen Zusammenhang. Andere Studien (Schultz 1960;Grosvenor 1981; Brown et al. 1987) tun dies nicht. Die Myopie wird in Zusammenhang mit Introvertiertheit (Mull 1948; van Alphen 1952; Beedle und Young 1976), emotioneller Zurückhaltung , Desinteresse in motorischer Aktivität und Neigung zu sozialer Führung (Schapero und Hirsch 1952) gebracht . Lanyon und Giddings (1974), Baldwin (1981) und Curtin (1985) schließen aus der Literatur, daß bestimmte persönliche Charaktere , speziell Introvertiertheit ,die Myopie begleiten. Dazu beschreiben Lanyon und Giddings Schüchternheit, soziale Ungeschicklichkeit, Bedürfnis zur Selbstverwirklichung. Curtin nennt Angst und Schuldgefühle , Baldwin beschreibt Selbstvertrauen und persönliche Selbstreflektion als typisch für Myope.Während einige Autoren (Schapero und Hirsch 1952; Curtin 1985 ) glauben, daß persönliche Verhaltens-weisen von Myopen emotionell durch den frühen Gebrauch von Brillen oder durch das vermehrte Interesse an Naharbeit , bei sich reduzierender Sehschärfe der Ferne ,bedingt sind , glauben andere Autoren das die Myopie durch psychologische Faktoren ausgelöst wird. Palmer (1966) betrachtet die Myopie als eine Antwort auf psychische Probleme, um den Wahrnehmungsstimulus zu reduzieren und um den Kontakt mit der Umwelt zu reduzieren. Zusammenfassung Die Verhaltensoptometrie betrachtet die Myopie als Folge des exzessiven Gebrauches der Augen durch Naharbeit. Offensichtlich ist, daß die Myopie in Auftreten und Fortschreiten besonders in der Schulzeit anzutreffen ist, das Myope mehr Lesen, mehr nahbezogene Arbeiten ausführen und höhere Bildungsgrade erreichen als Nichtmyope. Erwachsene welche Studieren oder primäre Nahtätigkeiten ausführen , entwickeln öfter eine Myopie und zeigen einen stärkeren Anstieg der Myopie als Personen die weniger Naharbeit verrichten.. Kontrolle der Myopie Zunahme A. Nahbrillen Zahlreiche Arbeiten in der Optometrie schlagen zur Kontrolle der Myopiezunahme die Verordnung von speziellen Lese oder Nahkorrektionen vor (Birnbaum 1979;Goss 1982; Curtin 1985; Press 1987). In der Regel werden dabei sogenannte Bifokalgläser vom Optometristen verordnet. Diese haben im unteren Bereich der Brille ein Segment mit geringerer Korrektur (Stärke) der Myopie. Es zeigt sich, daß in einigen Fällen die Myopiezunahme stoppte oder sich verlangsamte. In anderen Fällen jedoch stieg die Myopie unvermindert an. Als Konsequenz ergibt sich, daß die Verordnung von Nahbrillen sehr kontrovers diskutiert wurde. Es wurden zahlreiche Studien dazu durchgeführt. Diese ergaben widersprüchliche Resultate. Eine statistische relevante Reduktion der Myopiezunahme berichten Miles (1957,1962) ,Roberts und Banford (1967) , Oakley und Young (1975) , Kelly et al. (1975) , Daubs und Shotwell (1983) und Goss (1986). Keinen signifikanten Effekt solcher Nahkorrektionen stellten Mandell (1959) , Shotwell (1981) Grosvenor et al. (1987) , und Hemminki und Pärssinen (1987) fest. Es ergeben sich jedoch Hinweise das bei bestimmten optometrischen Voraussetzungen der Versuch einer Nahkorrektion erfolgversprechend ist. Derzeit (1998) wird von Folk, Cyert und Parker am College of Optometry der Northeastern State University in Oklahoma (USA) eine umfangreiche Studie zu diesem Thema mit zwei Vergleichsgruppen , normale Brille und Bifokalbrille, zur Klärung der Effektivität von Bifokalbrillen durchgeführt. B. Sehpflege Empfehlungen im Rahmen der Sehpflege , um in einer entspannteren Haltung , bei optimaler Körperhaltung mit optimaler Beleuchtung zu Lesen , können zu einer Stressreduktion führen. Es werden ebenso kurze Pausen und zwischenzeitlicher Blick in die Ferne , um Effekte übermäßiger Naharbeit zu vermeiden , empfohlen. Ungünstige Körperhaltung bei Naharbeit (Harmon 1958) siehe Schriftenreihe zur Optometrie: Sehen, Körperhaltung und Raumwahrnehmung, und starke Konzentration (Forrest 1988; Birnbaum 1990) verstärken jeweils die sympathische Aktivierung und verschärfen den Nahstreß. Zusätzlich zur optimalen optometrischen Versorgung empfiehlt sich optimale Sehpflege um Anspannung und Streß zu reduzieren. C. Kontaktlinsen Der bisher erfolgreichste Weg die Zunahme der Myopie zu verlangsamen ist die Anpassung von formstabilen Kontaktlinsen. Eine Studie von Stone (1976) über einen Zeitraum von 5 Jahren zeigt eine Zunahme der Myopie von 0,17dpt pro Jahr bei Kontaktlinsenträgern, während bei einer Vergleichsgruppe Brillenträgern eine Zunahme von 0,38dpt pro Jahr ermittelt wurde. Grosvenor (1989) ermittelte während 2 Jahren eine Myopiezunahme von 0,28dpt bei Kontaktlinsenträgern , der Vergleichswert der Brillenträgergruppe lag bei 0,8dpt. Perrigin et al (1990) stellte eine um 80% geringere Myopiezunahme bei Kontaktlinsenträgern als bei einer vergleichbaren Brillenträgergruppe fest. Alle bisherigen Studien weisen den positiven Einfluß bei stabilen (ähartenì) Kontaktlinsen nach, ein entsprechender Effekt bei weichen Kontaktlinsen konnten bisher nicht nachgewiesen werden. Eine besondere Form der Kontaktlinsen-Anpassung stellt die Orthokeratologie dar. Hierbei wird durch eine spezielle Anpassung von harten Kontaktlinsen bewußt Druck auf das Zentrum der Hornhaut ausgeübt. Dies führt zu einer Abflachung der Hornhaut und zu einer Reduktion der Myopie. Diese Reduktion ist jedoch nur temporär. Durch zeitweises Tragen einer Retainerlinse soll der Zustand jedoch stabil gehalten werden. Aufgrund seiner physiologischen Nachteile hat sich die Orthokeratologie in Europa nicht durchgesetzt, erlebt jedoch bei amerikanischen Optometristen im Moment eine Renaissance. D. Optometrisches Visualtraining Zahlreiche Hinweise auf die Beeinflussung der Myopiezunahme werden im Bereich des optometrischen Visualtrainings beschrieben. Ihr Effekt ist jedoch nirgends durch Studien belegt. Eine neuere Arbeit von Ciuffreda und Ordonez (1998) an der State University of Optometry in New York (SUNY) zeigt eine Reduktion der Myopie nachdem optometrisches Visualtraining unmittelbar nach längerer Nahbelastung der Augen durchgeführt wurde. Jedoch nahmen an der Studie lediglich 6 Studenten der SUNY teil. E. Der Optometrist Eine Prüfung der Sehschärfe und der Myopie jedes Auges allein ist, wie auch bei anderen Sehfehlern heute nicht mehr ausreichend. Eine komplette Untersuchung des Sehens bei der Myopie durch einen Optometristen muß neben der Sehschärfe und der Messung des Sehfehlers jedes Auges, zahlreiche weitere Untersuchungen beinhalten. Diese deutlich zeitaufwendigere Messung sollte von einem Fachmann für Sehprobleme, einem Optometristen, durchgeführt werden und benötigt in der Regel mindestens 20 Minuten Zeitaufwand. Dazu gehören Messungen des Verhaltens und des Zusammenspieles der beiden Augen beim Sehen in der Nähe . Die Messung der Dynamik des Sehens beim Lesen gehört zu den wichtigsten Untersuchungen des Optometristen bei heranwachsenden Myopen. Durch solche Messungen kann in vielen Fällen eine gute Prognose der weiteren Entwicklung der Myopie und der besten weiteren Korrektion abgegeben werden. Bei allen höheren Myopen sollte der Optometrist regelmäßig den Augendruck messen. Menschen mit hoher Myopie (über 8 Dioptrien ) sollten regelmäßig neben der optometrischen Betreuung , bei einem Ophtalmologen den Augenhintergrund kontrollieren lassen. Kleines Fachlexikon
© Stefan Lahme Optometrist (dipl.Augenoptiker) Mitglied der Vereinigung Deutscher Contactlinsen Spezialisten Wissenschaftliche Vereinigung für Augenoptik und Optometrie Schweizerischer Berufsverband für Augenoptik und Optometrie Internationale Vereinigung für Binokulare Vollkorrektion |
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